Ist Spongebob pure Bio-High-Tech?
22. Juni 2010 Hinterlasse einen Kommentar
Nun, Spongebob Schwammkopf kennt inzwischen wohl jeder – ob er ihn toll findet oder einfach nur unendlich nervig.
Wurde Spongebob die ganze Zeit vielleicht komplett unterschätzt?
Bekanntlich ist der gelbe Schwammkopf ein Vertreter der Meeresschwämme. Also ein typisches Mitglied der unzähligen primitiven Lebensformen im Meer, die wenig interessantes vermuten lassen. Wasser aufsaugen, Burger braten und Quallenfischen – das war’s schon.
Was können die Schwämme wirklich?
Ok, ein echter Meeresschwamm läuft nicht herum, niemals. Ein Gehirn und Nervensystem fehlt komplett, Intelligenzbestien sehen anders aus. Und Augen hat er auch keine. Hockt also sein ganzes langweiliges Leben blind am gleichen Fleck am Meeresgrund. Und filtert Wasser, Unmengen von Wasser – das können auch 1.000 bis 2.000 Liter am Tag sein. Soweit sieht Spongebob im Vergleich ja noch richtig interessant aus.
Aber wie so oft muss jemand nur genauer hinschauen, um die unglaublichen Fähigkeiten der Schwämme zu erkennen. So jemand ist Prof. Dr. Werner Müller von der Universität Mainz. Und er hat wirklich erstaunliches entdeckt:
Schwämme “denken” mit Licht
Ihr poröser Körper ist löchriger ist als ein Schweizer Käse. Damit er in Form bleibt ist er mit unzähligen Silikatnadeln versteift. Diese Spirulae genannten Nadeln sind durchsichtig und zugleich sehr hart – ideal als Ersatzskelett. Aber zugleich dienen diese Nadeln als Glasfasern zur Datenübertragung, wie bei unserem Internet.
Nur übertragen die Spirulae Licht sogar besser als jede unserer Glasfasern und sind ihnen auch mechanisch überlegen. Während wir hohe Temperaturen benötigen und einen großen technischen Aufwand für die Herstellung treiben, begnügt sich der Schwamm mit kaltem Meerwasser.
Zur Lichterzeugung nutzen Schwämme die gleichen Proteine wie das Glühwürmchen. Den Lichtempfänger hat Prof. Müller analysiert: in Zellen am Ende der Nadeln ruhen lichtempfindliche Moleküle. Damit können Signale über die Nadeln gesendet und empfangen werden. Die Signale können Körperreaktionen auslösen, wie etwa ein Zusammenziehen des Schwamms.
Die optischen Datennetzwerke, die wir Menschen erst seit wenigen Jahren kennen und nutzen, verwenden die Meeresschwämme bereits seit Millionen von Jahren.
Wer wird jetzt noch das Gehirn von Spongebob vermissen? Sein Lachen vermisst wohl eh’ niemand.
Was Schwämme sonst noch können: